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Latein am KiWi

Kurzdarstellung der Fachs Latein seitens der Fachschaft

Latein erfreut sich am KiWi großer Beliebtheit. Im Schuljahr 10/11 starten wir in Stufe 6 mit drei Lateinkursen, damit votiert nahezu die Hälfte aller SchülerInnen für Latein, ein Trend, der sich deutschlandweit beobachten lässt.

Dabei ist es noch nicht so lange her, dass in Kollegien und Behörden laut über die Abschaffung dieser "toten" Sprache nachgedacht wurde, da ihr Nutzen nicht mehr quantifizierbar erschien, ganz zu schweigen von dem Fundamentalangriff nach 1945, i.e. Saul B. Robinsohns Curriculumsrevision.

Auf diesen reagierte der Didaktikausschuss des Deutschen Altphilologenverbandes mit einer sog. Matrix von Fachleistungen: (1) Sprache, (2) Literatur, (3) Geschichte, Staat, Gesellschaft, (4) Grundfragen menschlicher Existenz (Humanismus). Damit war eine begründete Multivalenz des Fachs Latein geschaffen, die deutschlandweit als Grundlage der heutigen Lehr-/Bildungspläne dient.

Als erste Anforderung an den altsprachlichen Unterricht am KiWi ergibt sich so eine "Balance zwischen formaler Grundbildung durch Sprache und multivalenter Geistesbildung durch Literatur" (Klaus Westphalen).

Erstere erwächst aus dem Umstand, dass Latein eben "tot" ist, d.h. sich als Sprachsystem nicht mehr weiter entwickelt, aber das Fundament für lebende Sprachen gelegt hat (mehr als die Hälfte aller englischen Wörter stammt aus dem Lateinischen). Dies ermöglicht einen analytischen Blick auf Sprache als System und führt die Schülerinnen und Schülern zu einer metasprachlichen Kompetenz, die für jeden Sprachunterricht, sei es Deutsch, seien es (lebende) Fremdsprachen unschätzbare Transferdienste leistet.

Letztere ergibt sich aus dem zeitlichen Abstand zu unseren Texten und der langandauernden Dominanz antiker Kultur. Zunächst begegnen die Schülerinnen und Schüler dem Fremden, Andersartigen, Unbekannten (römische Sklavenhaltergesellschaft, Familie), das über das Mittel der kulturanthropologischen Reflexion allmählich beginnt, vertraute Züge anzunehmen. Die unmittelbare Erfahrung der historischen Dimension mündet in die Erkenntnis der historischen Gebundenheit von Werten, Normen und Idealen. Darüberhinaus werden Entwicklungslinien und Tendenzen bei Konflikten aufgezeigt, die noch nicht abgeschlossen sind, z.B. die Diskussion über das bellum iustum beim amerikanischen Einmarsch im Irak, der Zusammenhang von Naturrecht und positivem Recht, die Grenzen der Gerechtigkeit: vom Brett des Karneades (§35 StGB) zum übergesetzlichen Notstand (Flugzeugabschussgesetz bei Terroristenentführungen) etc. pp. Hierin liegt auch ein erhebliches Potential zu fächerverbindendem Unterricht. Damit leistet das Fach einen wichtigen Beitrag zu Gegenwartsreflexion und Handlungskompetenz.

 

Last but not least möchten wir auf folgenden Artikel des Deutschen Altphilologenverbandes verweisen: Europäische Zertifikate jetzt auch für Latein und Griechisch


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(Änderungsdatum: 30.09.10)